Bei der Diagnose oder Auslegung rotierender Maschinen—etwa Industriepumpen, Verdichter oder Turbinen—sind Schwingungen die größte Gefahr für die Zuverlässigkeit. Schwingt Ihr System übermäßig, führt die Wahl des falschen Simulationswegs zu unbrauchbaren Daten und verschwendeten Entwicklungsstunden. Die Unklarheit läuft meist auf die Wahl zwischen zwei grundlegenden dynamischen Methoden hinaus: Modalanalyse und harmonische Analyse.
Modalanalyse: Was sie Ihnen sagt (und was nicht)
Die Modalanalyse ist eine Simulation des Systems selbst, ohne äußere Anregung. Sie löst das Eigenwertproblem des Systems und liefert:
- Eigenfrequenzen: Die Frequenzen, mit denen die Struktur von sich aus schwingen will.
- Eigenformen: Die Verformungsfiguren der Struktur zu jeder Eigenfrequenz.
Was die Modalanalyse nicht vorhersagen kann: Sie berechnet keine tatsächlichen Spannungswerte oder Verschiebungen in Millimetern, da keine physikalische Kraft aufgebracht wird.
Harmonische Analyse: Was sie zusätzlich liefert
Die harmonische Analyse ist eine erzwungene dynamische Simulation. Sie bringt eine kontinuierliche, sinusförmige Last über ein Frequenzspektrum auf, um das Verhalten des Systems unter stationären Betriebsbedingungen zu bewerten. Das entspricht genau der Physik rotierender Maschinen, bei denen Unwuchten zyklische Kräfte bei bestimmten Betriebsdrehzahlen (Ordnungen) erzeugen.
Vergleichstabelle: Wann was verwenden
Was ist der Unterschied zwischen harmonischer Analyse und Modalanalyse?
Direkte Antwort: Die Modalanalyse berechnet die Eigenfrequenzen und Eigenformen einer Struktur ohne äußere Lasten. Die harmonische Antwortanalyse berechnet die tatsächlichen Verschiebungs-, Geschwindigkeits-, Beschleunigungs- und Spannungsfelder, die eine kontinuierliche, frequenzabhängige periodische Kraft (etwa die Unwucht einer rotierenden Welle) über die Zeit hervorruft.
Die entscheidende Rolle der Dämpfung
In der Modalanalyse ist die Dämpfung weitgehend unerheblich. Trifft in der harmonischen Analyse die Betriebsdrehzahl eine Eigenfrequenz der Struktur, wird die resultierende Spitzenspannung vollständig durch den Dämpfungsgrad ($\zeta$) bestimmt. Wird dieser Wert falsch geschätzt, wird das Modell ungenau.
Praxisbeispiel: Bewertung eines Pumpen-Skids
Ein Schwingungsberater, der eine vibrierende Pumpeneinheit untersucht, geht in zwei Schritten vor:
- Zuerst die Modalanalyse: Es zeigt sich, dass der Rahmen eine Eigenform bei 29 Hz hat.
- Danach die harmonische Analyse: Simulation der Pumpe im Betrieb von 0 bis 40 Hz mit einer Unwucht von 100 Gramm, um zu prüfen, ob die Spitze bei 29 Hz Spannungen oberhalb der Dauerfestigkeit des Stahls erzeugt.